anonymus
schrieb am 24.5.2005 , 11:22 PM
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Lona Rietschel
Die Mutter der Abrafaxe
" Der gute Geist mit Herz im Verlag"
Nach einer Kindheit im brandenburgischen Reepen, heute Rzepin in Polen, lernte Lona Rietschel, geboren am 21. September 1933, an verschiedenen Fachschulen fünf Jahre Modegrafik und später Zeichentrick: "Als ich anfangen wollte praktisch zu arbeiten, zog das DEFA-Zeichentrickfilmstudio von Babelsberg bei Berlin nach Dresden, ich mußte aus persönlichen Gründen in Berlin bleiben. Einige Zeit arbeitete ich als Modellschneiderin an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin, doch dann kam ich zum Mosaik als Zeichnerin."
Heute ist sie fünfundsechzig und entließ gerade ihre Zeichenkinder in die Volljährigkeit: die Abrafaxe, ihre Geschöpfe, die im Januar 1996 dreifach zwanzigsten Geburtstag begingen. Lona Rietschel hatte sie im Jahr 1975 zur Welt gebracht. Geburtswehen bereitete anfangs die Abnabelung vom Vater der Digedags: "Die Korrekturen, mit denen uns Herr Hegenbarth immer in seinem Rahmen gehalten hatte, waren ja dann weg; aber es ging erstaunlich gut. Wir waren versierte Zeichner. Es war ein leichtes und gutes Arbeiten, angenehm nachher, als wir unsere Linie gefunden hatten."
Ein Leben für das MOSAIK scheint Lonas Berufung, denn vor den Abrafaxen lagen für sie bereits fünfzehn Jahre im Hause Hegenbarth. In einer Zeit, als bilderhungrige Kinder von der Ostsee bis zum Erzgebirge allmonatlich den neuesten Abenteuern der Digedags im Alten Rom entgegenfieberten, schloß sie erste Bekanntschaft mit dem MOSAIK: "1958 hab` ich mich mal dort vorgestellt. Bis dahin kannte ich das MOSAIK überhaupt nicht. Es war ja am Kiosk kaum zu kriegen und zu sehen. Mir gefiel die Arbeit sehr gut und ich hatte so eine Hoffnung - da möchte ich gern mal einsteigen."
Doch das Team um Hannes Hegen war damals optimal besetzt und funktionierte nach gerade einem Jahr kollektiver Arbeitsteilung gut. Erst als Nikol Dimitriadis, der mit Horst Boche um den Rang des am vielseitigsten einsetzbaren Spitzenzeichners konkurrierte, im März 1960 in den Westen flüchtete, bot sich für die junge Modellschneiderin die erhoffte Chance. Zwei Jahre nach ihrer ersten Vorstellung konnte sie im Mai 1960 als figürliche Zeichnerin die freie Stelle besetzen. Auf den Zeichentischen des Kollektivs erhielten damals gerade die im Alten Ägypten spielenden MOSAIKS 46 und 47 den letzten Schliff, so daß die neue Grafikerin erste Spuren ihres zeichnerischen Könnens in den ab Ende 1960 ausgelieferten Heften hinterlassen konnte. Porträt, Figuren, Bewegung und Mimik wurden ihr Ressort. Es war nur natürlich, daß auch sie, wie übrigens jeder neue Zeichner, sich nicht völlig dem charakteristischen Strich der Bleistiftvorzeichnungen Hannes Hegens anpassen konnte und wollte. Wenn sie die Digedags zeichnete, bemühte sie sich besonders um nuancenhafte Veränderung der Mimik: "Ich habe versucht, sie ein bißchen lieber zu machen, daß sie nicht so böse aussahen."
Im Gegensatz zu ihrem Kollegen Horst Boche, der sich meistens akribisch an ganzen Seiten aufhielt, beschäftigte sie sich lieber mit dem Animieren möglichst vieler Figuren, darunter besonders gern mit den jeweiligen Haupthelden und -bösewichtern von Ritter Runkel über die Teufelsbrüder bis Don Ferrando, ihrem persönlichen Favoriten. Zugute kamen ihr dabei die sich perfekt ergänzenden Ausbildungsgänge Modegrafik und Zeichentrick, sowie die Erfahrungen aus ihrer Tätigkeit als Modellschneiderin. Neben einem Gespür für Physiognomie und Gestik war die kleidungsmäßige Darstellung von bewegten Figuren ihr treffliches Metier. Das unterschied sich von der eher statisch zeichnenden gelernten Kostümbildnerin Edith Hegenbarth. Wenn es um flatternde oder wehende Schritte ging, darum, wie eine Naht liegt oder ein Saum bei veränderter Stellung fällt, immer dann wußte Lona Rat und ist bis heute unübertroffen in der Ausführung. Leider war es ihr während der Ära Hegenbarth nicht vergönnt, eigene Figuren zu entwerfen und einzubringen. Hier stieß sie an die Grenzen der Arbeitsteilung im Karlshorster Atelier. Das schöpferische Entwerfen der Figuren oblag einzig und allein Edith und Johannes Hegenbarth, was sich nach deren Kündigung ändern sollte. Das Titelbild des Januarheftes 1976 zierten die von Lona Rietschel entworfenen und gezeichneten Abrafaxe! Die Chefredaktion hatte nach dem Auslaufen des Vertrages mit dem Autor der Digedags das Zeichner-Kollektiv des MOSAIK mit der Entwicklung neuer Figuren beauftragt , worauf Horst Boche, Lona Rietschel und Irmtraut Winkler-Wittig erste Ideenskizzen vorlegten. Lonas Entwürfe entsprachen dabei am besten der verbalen Charakterisierung und fanden nach etlichen Diskussionen und Veränderungen schließlich die ungeteilte Zustimmung des Kollektivs. Dank ihres Talents in figürlicher Grafik hatte sich Lona zur bestimmten Figurenschöpferin entwickelt und ist bis heute die "federführende" Zeichnerin der ausschließlich mit Bleistift und Pinsel erstellten Mosaikbilder von den unglaublichen Reisen der Abrafaxe durch Zeit und Raum. In umgekehrter Reihenfolge der üblichen Lesart gilt ihre besondere Liebe übrigens dem leicht rundlichen Califax, dann dem Denker Brabax und erst danach dem Draufgänger Abrax. Zweifellos sympathische Mutterinstinkte, die hier in der persönlichen Bevorzugung des bei der verbalen und grafischen Geburt vielleicht etwas benachteiligten Califax ihren liebenswerten Ausdruck finden: "Der Kleene!". Lona Rietschel ist auch heute noch im Verlag tätig. Immer wieder versuchte Hegen das Mosaik mit den Abrafaxen als Plagiat verbieten zu lassen. Was er zu DDR Zeiten nicht schaffte, gelang ihn auch nicht nach der Wende. Der letzte Prozeß wurde im Sommer 1995 in dritter Instanz vor dem Bundesgerichtshof verloren. Als Bücher sind inzwischen folgende Titel erschienen; "Die Abrafaxe in Frankreich", "Hollywood PURSUIT" die Abrafaxe in Amerika; Neue Wege versucht der Verlag mit neuen Abenteuern der Abrafaxe. Bei der Arbeit entstehen immer wieder neue Ideen, die in den Büchern; "Die Kleiner Detektive", "Machs noch einmal Roben" und "Nett Generation" angeboten werden. Inzwischen wird ganz intensiv an einem Trickfilm mit den Abrafaxen gearbeitet, der im Dezember 1999 seine "Welturaufführung " haben soll. Das Mosaik mit den Abrafaxen erscheint monatlich im Verlag "Steinchen an Steinchen " in Berlin
Hurra wir leben noch.
anonymus
schrieb am 10.5.2005 , 09:40 PM
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Digedags
Die Digedags waren von 1955 bis 1975 die Haupthelden der in der DDR erscheinenden Comiczeitschrift MOSAIK. Die drei Protagonisten Dig, Dag und Digedag erlebten in mehreren großen Serien Abenteuer in Raum und Zeit. Die Hefte erschienen zuerst quartalsweise und umfassten 32 Seiten, ab 1957 erschienen die Hefte monatlich mit 24 Seiten. Der Schöpfer dieser Comic-Reihe war der Zeichner Hannes Hegen. Seit Januar 1976 wurden die Digedags durch den Comic Abrafaxe abgelöst.
Die ersten Mosaik-Hefte waren Comics mit Sprechblasen. Später ging man dazu über, statt Sprechblasen Textbalken unter die Bilder zu setzen, was dem Comic Prosacharakter gab. Im Grunde beeinhaltete das Mosaik seitdem keine Comics mehr, sondern Bildergeschichten. Zurück ging diese Entwicklung auf den eigentlichen Texter der Hefte Lothar Dräger. Dieser wollte nicht, dass durch die Sprechblasen die Bilder verdeckt werden. In den Orient-Serie kehrte man wieder zu den Sprechblasen zurück, allerdings waren diese nicht rund, sondern eckig.
Nach der Wende begann der Junge-Welt-Verlag, die unter Sammlern zu hohen Preisen gehandelten und kaum noch zu bekommenden Mosaik-Hefte als Reprint-Kassetten aufzulegen. Zudem ist ein großer Teil der Mosaik-Hefte in Form von Sammelbänden, die allerdings z.T. bearbeitet sind, im Handel erhältlich.
Heftserien
* Die Hefte der Nr. 1 bis 12 umfassen die Südsee-Serie. Die Hefte 3 und 5 enthalten allerdings keine Geschichte der Digedags; in diesen wurde mit verschiedenen Tierfiguren experimentiert.
* Die Hefte 13 bis 24 umfassen die Römerserie. Durch einen Wirbelsturm werden die Digedags mit ihrem Schiff ins antike Rom versetzt, wo sie als Zirkusbetreiber Karriere machen, allerdings den Unmut der Herrschenden erwecken. Daher müssen sie Rom verlassen und schließlich nach Malta fliehen. Digedag kehrt dabei in Heft 20 nach Rom zurück, um den Zirkus der Digesdags zu retten. Dig und Dag können auf Malta den Bau eines Kriegshafens verhindern und brechen schließlich in die Sahara auf, um mit dem Wissenschaftler Sinus Tangentus nach einem dort niedergegangenen Meteoriten zu suchen.
* Die Hefte der Nr. 25 bis 73 umfassen unter anderem die Weltraumserie, die direkt an die Römerserie anknüpft. Der vermeintliche Meteorit entpuppt sich als Raumschiff vom Planeten Neos, das Dig, Dag und Sinus Tangentus ins All entführt. Auf dem Neos geraten sie in den Konflikt zwischen den zwei Staaten dieses Planeten, der Republikanischen Union und dem Großneonischen Reich, die den Gegensatz von Sozialismus und Kapitalismus versinnbildlichen. Später begleiten die Digedags den Raumschiffkapitän Bhur Yham auf einer Weltraumexpedition.
* Die Hefte der Nr. 74 bis 89 umfassen die Erfinderserie. Darin begleiten die Digedags bedeutende Erfinder des 19. Jahrhunderts, wie Werner von Siemens und Wilhelm Bauer. Der Erfinderserie wurde dabei schon in einigen Heften der Weltraumserie vorgegriffen, als Dig und Dag an Bord des Raumschiffs ihre Erlebnisse auf der Erde erzählten.
* Die Hefte der Nr. 90 bis 151 umfasst die Ritter Runkel-Serie. Sie spielen im Jahr 1284. Dig und Dag begleiten den tollpatschigen Ritter Runkel auf der Suche nach einem Schatz, den sein Vater einst in Kleinasien zurück lassen musste. Gegen Ende der Serie, in Heft 141, taucht Digedag wieder auf, der es in China in die Position eines hohen kaiserlichen Beamten gebracht hat.
* Die Hefte der Nr. 152 bis 211 ab Juli 1968 umfassen die Amerika-Serie. Sie spielen in den Jahren 1860/61. Die Digedags sind in New Orleans als Zeitungsreporter tätig. Eine Reihe von Verwicklungen führt sie in die Rocky Mountains, wo sie eine Goldmine entdecken. Das Gold wollen sie zur Befreiung der schwarzen Sklaven spenden.
* Die Hefte der Nr. 211 bis 223 umfassen die Orient-Serie. Im Jahr 1835 helfen die Digedags der ägyptischen Prinzessin Fatima, die in Istanbul gefangen gehalten wird, zur Flucht in ihre Heimat.
* Die Hefte der Nr. 224 bis 229 umfassen erneut die ersten Folgen der Ritter Runkel-Serie.
Personen und Tiere
Ritter-Runkel-Serie
* Ritter Runkel, der langjährige Begleiter der Digedags (eigener Artikel)
* Janos, ein kroatischer Ritter, Verlobter von Suleika
* Suleika, eine orientalische Prinzessin, die von den Teufelsbrüdern gefangen gehalten wird. Ritter Runkel und die Digedags befreien sie und begleiten sie in ihre Heimat.
* Teufelsbrüder, eine Piratenbande, Gegenspieler der Digedags in der Ritter Runkel-Serie
* Türkenschreck, das treue Schlachtross von Ritter Runkel
Amerika-Serie
* Coffins, Erzschurke und Gegenspieler der Digedags in der Amerika-Serie.
* Jack und Doc, die beiden Kumpane von Coffins, sie werden des öfteren von Coffins verraten, Coffins jedoch zieht sie immer wieder durch Tricks auf seine Seite.
* Colonel Springfield, ein Offizier mit guten Beziehungen nach Washington, D.C., bester Freund von Mrs. Jefferson
* Mrs. Jefferson, eine reiche Witwe aus New Orleans, Gegenspielerin der Digedags in der Amerika-Serie
* Jeremias Joker, Plantagenbesitzer, der von den Digedags zunächst für einen Piraten gehalten wird. Wie sich spätzer herausstellt, hilft er geflohenen Sklaven dabei, in die Freiheit zu gelangen.
Orient-Serie
* Fatima, entführte Tochter eines Beduinenfürsten, wird von den Digedags befreit
* Mustafa al Mansur, Schatzmeister des Sultans, besitzt die Sklavin Fatima und versucht ihre Befreiung zu verhindern
* Zurga, Sklavenhändler und Freund des Schatzmeisters, für die Entführung von Fatima verantwortlich
anonymus
schrieb am 10.5.2005 , 09:36 PM
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Abrafaxe
Die Abrafaxe sind seit 1976 die Helden der Comiczeitschrift MOSAIK. Abrax, Brabax und Califax bestehen Abenteuer in der Weltgeschichte. Abrax (blond) ist dabei der Kühne, Brabax (rothaarig) der Intelligente und Califax (schwarzhaarig) der gemütliche Dicke. Seit der Ausgabe 200 haben sie eine Ratte als Weggefährten. Das Mosaik erscheint monatlich.
Die Abrafaxe sind Schöpfungen von Lothar Dräger und Lona Rietschel. Sie sind Nachfolger der Digedags, die von 1955-1975 im MOSAIK erschienen.
Zur Zeit der DDR erschienen die Abrafaxe im Verlag Junge Welt. Nach der Wende drohte ihnen die Einstellung. Doch Jörg D. Schleiter, Geschäftsführer einer Werbeagentur, sicherte sich von der Treuhand die Rechte an dem Ost-Comic. Bis heute ist er Herausgeber der Hefte.
Die Mosaik-Hefte bestanden zu DDR-Zeiten aus 20 Seiten. Seit der Wende hat sich der Umfang in etwa verdoppelt. Zudem gibt es einen redaktionellen Mittelteil, in dem Leserbriefe, Hintergründe zur Geschichte und Merchandising veröffentlicht werden.
Der Höhepunkt der Nach-Wende-Hefte wurde mit der Mittelalter-Serie in den Jahren 1992-1993 erreicht. Die Griechenland-Serie lief gut an, konnte das Niveau aber nicht halten und endete in einem narrativen Fiasko, für das vor allem der Autor der Hefte Jens-Uwe Schubert verantwortlich zeichnete. Mit der Amerika-Serie besann man sich wieder stärker darauf, dass man einen Comic und keinen Bildroman produzierte, sodass sich das Mosaik wieder etwas erholte.
Im Jahr 2001 gab es einen Abrafaxe-Kinofilm, der allerdings die Erwartungen nicht erfüllen konnte. Dasselbe gilt auch für die bei "Karussell" erschienenen Hörspiele, die die Qualität der Comic-Vorlage nicht erreichen konnten.
In punkto Anzahl der Hefte hat das Abrafaxe-Mosaik seinen Vorgänger, die Digedags, mittlerweile überholt. Auch waren die Abrafaxe zu DDR-Zeiten erfolgreicher als die Digedags: In Spitzenzeiten (1984) erschien das Mosaik mit einer Auflage von 1 Million.
Das Mosaik-Kollektiv
Folgende Texter, Zeichner, Kolorierer usw. wirkten seit 1976 am Abrafaxe-Mosaik mit:
Zeichnungen: Lona Rietschel, Andreas Pasda, Thorsten Kiecker, Horst Boche (†), Irmtraud Winkler-Wittig, Steffen Jähde, Jens Fischer, Ulf S. Graupner, Niels Bülow, Thomas Schiewer, Andreas Schulze
Texte: Lothar Dräger, Wolfgang Hackel (†), Jens-Uwe Schubert, Hubertus Rufledt
Koloration: Jochen Arfert, Steffen Jähde, André Kurzawe
Layout: Christian Goguet
u.v.a.m.
(Die mit "†" versehenen Mitglieder des Mosaik-Kollektivs sind bereits verstorben.)
Quelle : http://lexikon.freenet.de/Abrafaxe
anonymus
schrieb am 10.5.2005 , 09:13 PM
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